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Bevölkerungsentwicklung

Die Bevölkerungszahl von Luckenwalde steigt seit 2015 an, nachdem sie über 50 Jahre lang zurückgegangen war. Nach den offiziellen Prognosen der letzten Jahre sollten hier 2030 weniger als 17.000 Menschen wohnen. So erwarteten wir seit einigen Jahren, dass die Zahl von 20.000 Einwohnern unterschritten würde, was jedoch nicht eintrat. Im Juni 2017 stieg sie auf über 21.000 an. Im Folgenden werden die eigenen städtischen Bevölkerungsdaten und -trends dargestellt. Diese weichen, wie bei fast allen Gemeinden, von den Zahlen der Statistikämter von Land und Bund ab.

Einwohnerstand 2017

Am 31.12.2017 waren in Luckenwalde (inkl. Ortsteile) 21.067 Personen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Der Altersdurchschnitt betrug 47,1 Jahre.

In Luckenwalde lebten 1.486 Ausländer (davon 282 EU-Bürger). Der Ausländeranteil betrug 7,05 %. Unter den Ausländern waren schätzungsweise 1.088 Flüchtlinge, damit war jeder 20. Luckenwalder Flüchtling.

Bevölkerung der Ortsteile
Stadtgebiet
20.331
Kolzenburg 412
Frankenfelde 324
gesamt 21.067

Struktur

Veränderungen

Zum dritten Mal in Folge stieg 2017 die Bevölkerungszahl von Luckenwalde an. Zur Jahresmitte überschritt sie den Wert von 21.000. 189 Geburten standen 309 Sterbefällen gegenüber. Anders als im Vorjahr war das Geburtendefizit mit 120 Personen wieder relativ hoch. 758 Personen zogen aus Luckenwalde fort, 1.056 Personen zogen zu (Saldo: +298). Innerhalb der Stadt zogen 1.014 Personen um. Die Bevölkerung nahm gegenüber dem Vorjahr um mehr als 160 Personen zu.

Bevölkerungsstände der Vorjahre

Hier können Sie in die Bevölkerungsstatistiken der Vorjahre einsehen.

Trends

Die Einwohnerzahl von Luckenwalde war seit über 50 Jahren rückläufig. Insbesondere seit der Wiedervereinigung nahm sie deutlich ab. Das untenstehende Diagramm zeigt den Verlauf seit 1992. Das brandenburgische Landesamt für Bauen und Verkehr (LBV) veröffentlicht alle zwei bis drei Jahre Bevölkerungsvorausschätzungen für Städte und Gemeinden, meist bis 2030. Für Luckenwalde ist dabei, wie für Ostdeutschland insgesamt, der Geburtenknick und die Abwanderung junger Leute (Frauen) in den 1990er Jahren bestimmend. Das LBV prognostizierte nach einem fortgesetzen Rückgang eine Stabilisierung der Einwohnerzahl unserer Stadt bei ca. 17.000 nach 2030.

Die Bevölkerungsentwicklung verlief jedoch nicht so negativ, wie vorausberechnet. So wurden die Prognosen des LBV schon in der Vergangenheit nach oben korrigiert. 2015 stieg die Einwohnerzahl erstmals. Auch für die Zukunft zeigen eigene Berechnungen ein deutlich positiveres Bild.

Mit dem Bevölkerungsrückgang war stets ein steigender Altersdurchschnitt verbunden. Seit 2015 sinkt der Altersdurchschnitt jedoch wieder, besonders weil die zuwandernden Flüchtlinge (jeder 20. Luckenwalder ist ein Flüchtling) deutlich jünger sind als die deutsche Bevölkerung.

Geburten und Sterblichkeit

In Luckenwalde sterben jährlich deutlich mehr Menschen, als geboren werden. Dieses sog. Geburtendefizit lag in den 1990er Jahren bei 200 Menschen pro Jahr, es hat sich trotz des steigenden Altersdurchschnitts bis 2012 fast halbiert. Während die Geburtenzahl stetig stieg, fiel die Zahl der Sterbefälle bis ca. 2008, um danach wieder anzusteigen (vgl. negative Werte der schwarzen Kurve mit Trendlinie). Dieser Anstieg wird sich fortsetzen, weil stärkere Jahrgänge in das Alter höherer Sterblichkeit aufrücken. Auch das Geburtendefizit wird wieder wachsen, wenn die Zahl der Geburten nicht stärker steigt als bisher.

Wie sich die Bevölkerung von Luckenwalde entwickelt, hängt stark von Wanderungen ab.

Wanderungen

Zu- und Wegzüge folgen langfristigen Trends. Weil die Zahl der Zuzüge stärker stieg, als die Zahl der Wegzüge (rote Kurze mit negativen Werten), ergab sich seit etwa 2006 ein positiver Saldo, der seitdem weiter wächst. Der positive Wanderungssaldo gleicht das Geburtendefizit aus und bringt seit 2015 ein Bevölkerungswachstum. 2015 wurde dieser Trend durch die Flüchtlingswelle besonders verstärkt, er ist jedoch auch ohne Flüchtlinge vorhanden.

Ausblick

Der über 50 Jahre, bis 2014 anhaltende, insbesondere der seit den 1990er Jahren verstärkte Bevölkerungsrückgang war für Städte in Brandenburg durchaus typisch. In berlinfernen Landesteilen waren und sind die Verluste höher. Nur in Potsdam und unmittelbar an der Landesgrenze zu Berlin gab es Bevölkerungswachstum. (Auch im ländlichen Raum des Altbundesgebietes hat ein gravierender demografischer Wandel eingesetzt.)

Die Stadt Luckenwalde bemüht sich, ihre Standortqualität zu entwickeln und den Wanderungsgewinn zu verstetigen. Dabei kommt unserer Stadt zur Hilfe, dass sie von Berlin aus immer besser zu erreichen ist und dass sich der Wohnungsmarkt in Berlin, aber auch im engeren Verflechtungsraum um Berlin, zusehends anspannt. Auf die sich nun ergebende Chance, Luckenwalde als qualitätsvollen Lebensmittelpunkt in Berlinnähe zu präsentieren, hat Luckenwalde seit den 1990er Jahren konsequent hingearbeitet. War das erstmalige Bevölkerungswachstum 2015 weitgehend von der Flüchtlingswelle beeinflusst, so konnte seit dem ersten Halbjahr 2016 auch ein Anwachsen der deutschen Stadtbevölkerung festgestellt werden.

Während einige Städte im ländlichen Raum Brandenburgs, auch in größerer Entfernung zu Berlin, wegen ihres gegenwärtigen Bevölkerungswachstums Hoffnung auf eine Aufwärtsentwicklung schöpfen, bezweifeln Demografen, dass sich sich die Bevölkerung dort dauerhaft auffüllen wird. Sie verweisen darauf, dass nach der Wiedervereinigung mehr als eine Generation junger Eltern ausgefallen ist, was man an den Lebensbaumdiagrammen ablesen kann. Es hängt alles davon ab, wie stark der Druck in Berlin wird, wie gut die Verkehrsverbindungen dorthin funktionieren und ob Berlin oder das Umland schneller ausreichend günstigen Wohnraum anbieten kann.

Zuwanderungsgewinne können alles ändern

Für die Fortschreibung des Integrierten Stadtenwicklungskonzepts (INSEK) und das Wohnungswirtschaftliche Konzept wurden Wanderungsbewegungen der letzten Jahre eingehend analysiert. Auch ohne die Flüchtlingswelle von 2015 waren in den letzten Jahren moderate Zuwanderungsgewinne zu verzeichnen. Die Stadt Luckenwalde geht nunmehr davon aus, dass sich ihre Bevölkerung wegen ihrer relativen Berlinnähe, ihrer guten Verkehrsverbindungen und ihrer guten Infrastruktur nach 2030 bei 21.000 Einwohnern stabilisieren wird. Die Landesplanung beurteilt die Entwicklungsmöglichkeiten von Luckenwalde inzwischen ähnlich. Sie hat aber noch keine korrigierte Prognose vorgelegt.

Die folgenden Diagramme sind das Ergebnis eigener Berechnungen vom August 2016 und März 2017, jeweils auf Basis der Bevölkerungsstandes vom vorherigen Jahresende. Sie stellen Szenarien ohne Zuwanderungsgewinne der nunmehr beobachteten und als fortbestehend angenommenen Entwicklung mit jährlichen moderaten Zuwanderungsgewinnen gegenüber. Die Berechnungen sind konservativ, denn die Bevölkerungszahl von 21.000 wurde bereits Anfang Juni 2017 erreicht. Eine langfristige Vorausberechnung mit immer gleichen Annahmen ist natürlich gewagt. Die Stadt kann aber nicht auf eigene Berechnungen verzichten, weil sie sich auf absehbare Entwicklungen einstellen muss. Schon jetzt ist ein akuter Mangel an Kitaplätzen zu beheben, über Schulerweiterungen wird nachgedacht.

Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung war 2015 nach langer Zeit erstmals gefallen. Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Die Geburtenzahl wird nach einem besonders hohen Wert im Jahre 2016 von einem normalen Niveau aus zunächst leicht ansteigen, dann wieder etwas zurückgehen. Langfristig könnte sie wieder über das heutige Niveau ansteigen.

Berichte

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." haben Wissenschaftler und Humoristen treffend bemerkt. Kommunen brauchen sie aber, um sich auf zukünftige Aufgaben vorzubereiten. Weil die tatsächliche Bevölkerungsentwicklung schon länger von den Prognosen der Landesbehörden abweicht und weil das AfS die Einschätzung von Wanderungen auch jetzt, wo sie auch für die Bevölkerungsentwicklung der Berliner Umlandstädte in zweiter Reihe ein bestimmender Faktor geworden sind, immer noch für unmöglich hält, musste Luckenwalde sich die Karten selbst legen.  Hier ist der Bericht der aktuellen eigenen Berechnung: Bevölkerungsprognose für Luckenwalde von April 2017.

Auch der Zuzug von Flüchtlingen stellt die Kommunen vor besondere Anforderungen. Deshalb wurde im Stadtplanungsamt ein Flüchtlingsmonitoring begonnen. Hier ist der Anfangsbericht  bis März 2017: Anfangsbericht Flüchtlingsmonitoring Luckenwalde bis 03-2017.

 

Seite drucken | Autor: Christian von Faber | zuletzt geändert am: 11.01.2018