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20.04.2017

Familienverband Fähndrich ist zurück

Die Rahmenbedingungen konnten nicht besser sein: Strahlender Sonnenschein und ein festlich geschmückter Saal in der derzeit als Amtsgericht genutzten Villa empfingen am 1. April 15 Angehörige des Familienverbands Fähndrich. Auf Einladung der Bürgermeisterin wurde in einer kleinen Feierstunde die Entscheidung des „Familienverband Fähndrich-Luckenwalde e. V.“ gewürdigt, den Verbandssitz nach 58 Jahren von Frankfurt am Main zurück an die Nuthe zu verlegen – durch den Eintrag in das hiesige Vereinsregister.

Johanna Schwark, Schülerin der Musikschule Teltow-Fläming in Klavierbegleitung von Beate Rase, beeindruckte gleich zu Beginn mit ihrer Interpretation des Liedes „Letzte Rose“ aus der Oper „Martha“. Welch´ glückliche Händchen sie bei dieser Musikauswahl bewiesen hatte, war von Annemarie Richter zu erfahren, die 1943 in der Villa geboren worden ist. Als Zweijährige musste sie das Anwesen gemeinsam mit ihrer Mutter und den Geschwistern verlassen, als das Gebäude nach dem Einmarsch der Roten Armee konfisziert worden war. Ihre Mutter sei 104 Jahre alt geworden und habe ihr viel über Luckenwalde erzählt. „Letzte Rose“ sei ihr Lieblingslied gewesen und ein letztes Mal auf ihrer Beerdigung erklungen.

Der jetzige Familienverbandsvorsitzende Wilfried Fähndrich skizzierte in seinem kurzweiligen Vortrag die Verknüpfungen seiner Familie mit Luckenwalde. Die vier noch existierenden Fähndrich´schen Linien gehen auf den Luckenwalder Urvater Martin – 1676 geboren – zurück. Augenzwinkernd berichtete er vom Licht und Schatten der Verbandsarbeit und der damit zusammenhängenden Familienforschung. Die Kirchenbücher der St. Johanniskirche haben sich dabei als ergiebige Quelle erwiesen: 65 Trauungen, 252 Taufen und 148 Trauerfeiern mit Fähndrichscher Beteiligung sind darin festgehalten. In Luckenwalde wirkten sie als Posthalter, Betreiber der Stadtziegelei, als Tuchfabrikanten, als Bierbrauer, als Stifter und als Bauherren. Das Stadtbild prägten sie durch die Tuchfabrik und Villa am Markt 25 - 27 und die 1864 hinzu erworbene Fabrik im Elsthal. Die Remise im Stadtpark war Bestandteil der 1856 eröffneten Fähndrich´schen Brauerei in der Breiten Straße 12-13, die später in der Wirtebräu-Genossenschaft aufging. Der Ursprung des heutigen DRK-Krankenhauses geht zurück auf eine Stiftung von C.W. Fähndrich und seiner Frau Ida, die 1885 das Grundstück an der Schützenstraße und 30.000 Mark zur Verfügung stellten. Auch das Marmorkreuz auf dem Altar der Jakobikirche ist eine Schenkung von Ida Fähndrich und ihren Söhnen Wilhelm und Martin. Über 300 Jahre haben die Fähndrichs mit deutlicher Handschrift an der Stadtgeschichte mitgeschrieben. Der Bruch mit der Stadt fand Mitte des vorherigen Jahrhunderts statt und war nicht freiwillig: Die beiden noch in Luckenwalde verbliebenen Familien wurden enteignet und flüchteten aus der Stadt.

Die Gründung des Familienverbands geht auf den ersten Familientag im Jahr 1904 zurück. Damals trafen in Berlin 80 Teilnehmer aus Nah und Fern zusammen. Es wurde beschlossen, ein solches Ereignis alle drei Jahre wiederkehren zu lassen. 1935 erfolgte die offizielle Registrierung durch den Eintrag beim Amtsgericht Luckenwalde. Zu diesem Zeitpunkt lebten die meisten Familienmitglieder im Osten Deutschlands. Diese Gewichtung verschob sich in der Nachkriegszeit, als mehr und mehr gen Westen verzogen. Der Familienverband wurde erst wieder 1969 durch die Ausrichtung eines Familientags in Fulda aktiv und legte Frankfurt/Main als Verbandssitz fest.

Nach der Wende konnten endlich wieder alle Familienmitglieder aus Ost und West zusammenfinden. Der Familientag 2011 führte sie nach Luckenwalde. Die Stadt war für die meisten bis dahin Terra incognita – unbekanntes Land. Auf den Spuren ihrer Vorfahren wuchs bei allen Teilnehmern ein Gefühl der Verbundenheit mit dieser Stadt und es wurde beschlossen, den Sitz des Verbandes wieder nach Luckenwalde zurückzuverlegen.

„Ich empfinde dies als Wertschätzung für Luckenwalde, als Zeichen der Aussöhnung und der Überwindung der deutschen Teilung, auch als Bekenntnis zu einer gemeinsamen Geschichte und als Ausdruck des Interesses an der zukünftigen Entwicklung des Ortes, in dem die Wurzeln des Familienverbands zu finden sind“, so die Bürgermeisterin.

Sie richtete herzliche Grüße an alle Fähndrichs und Faehndrichs aus, die zum diesjährigen Familientreffen in Jena zusammenkommen werden. Vielleicht steht in drei Jahren ja wieder Luckenwalde auf dem Plan?!

Als Gabe für das HeimatMuseum überreichte Wilfried Faehndrich der Bürgermeisterin das Verbandswappen. Die Chronik der Stadt Luckenwalde stieß bei den Fähndrichs auf solch´ großes Interesse, dass spontan zehn Exemplare für den Familientag in Jena bestellt wurden.

zuletzt geändert am: 20.04.2017